Das Schöne an Weihnachten ist alles verbunden mit K, die mich vor über zehn Jahren an Heilig Abend spontan einlud, der ungebetene Gast ihrer Familie zu sein. Für den ungebetenen Gast wird ein zusätzlicher Platz eingedeckt, der leer bleibt – Die ersten Jahre kam ich erst nach dem Essen dazu, dann nahm ich den leeren Platz ein, bis neben mir irgendwann ein weiteres Gedeck übrig blieb.
Die Weihnachten verändern sich und bleiben trotzdem gleich, mal ist die ganze Familie da und das Zimmer platzt beinah aus den Nähten. Mal ist der Kreis kleiner. Die Großelternpaare werden zu Großmüttern, die Abwesenheiten bleiben im Raum, das Fehlen in der Wiederholung der Abläufe sichtbar. Sie sind da gewesen.
Nach dem Essen spülen wir das ganze Geschirr und Besteck – Suppe, Karpfen, Makowki – von Hand in der kleinen Küche. Über dem Küchentisch hängt ein Acrylbild, das in der Schule gemalt worden ist, es zeigt eine Barilla Nudelverpackung für Fussili. Wie ein guter Küchentisch, hat auch dieser eine abwischbare Tischdecke. K. spült, ihre Schwester und ich trocknen ab. Das weiße Porzellan mit den grünen Blumengirlanden verschwindet im schaumbedeckten Spülwasser, es ist wichtig, zunächst eine Suppentasse oder einen Topf auf die Abtropffläche zu stellen, damit die Teller schräg daran gelehnt werden können und das Wasser besser an ihnen herunter rinnt. Das Trockentuch, zunächst rau und fest, wird nach und nach weicher durch die Feuchtigkeit, die es aufnimmt. Das erste hält nie durch bis zum Ende, vier oder fünf erschöpfte Tücher hängen später über Heizung und Stuhllehnen. Es schafft eine merkwürdige Intimität, jemandes Geschirr abwaschen zu dürfen, die von den Gesprächen abseits des großen Tisches noch verstärkt wird.
Mein liebstes Ritual ist der Abwasch.